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Spritzlutschker, Beitrag 1 von 1

Meine martialische Kindheit

von Hans Brennecke

Oft ist es ein Geräusch, ein Duft, der inspiriert, und das Tor der Erinnerungen öffnet sich. Auch dieses Mal war es wieder so. Als ich kleinen Kindern in einem etwas entlegenen Dorf beim Spiel mit Luftballons zusah, fielen mir spontan Waffen meiner martialischen Kindheit ein: der Spritzlutschker und die Kittröhrln.

Dazu habe ich mich ein bisschen im gleichaltrigen Bekanntenkreis umgehört, wer sich noch an die Spritzlutschker erinnern kann. Ich bin aber nicht wirklich fündig geworden. Entweder waren meine männlichen Freunde, denn um ein eindeutig männliches Spiel handelte es sich, also, entweder waren sie doch ein bisserl zu alt oder zu jung. Oder es war ein Spiel, das nur in meinem Grätzel seine Anhänger gefunden hatte.

Als moderner alter Herr habe ich natürlich auch das Internet konsultiert, aber was ich dort zum Thema Spritzlutschker fand, war eher irritierend.

Also, wo wir diese Spritzlutschker genau gekauft haben, kann ich nicht mehr mit Sicherheit sagen. Ich vermute, dass es in einem – damals noch sehr häufig vorkommenden – Gemischtwarenladen war oder in einer Drogerie.

Den Spritzlutschker, ein etwa kinderdaumengroßes Gebilde aus Gummi, das wie ein nicht aufgeblasener Luftballon aussah, erhielt man zusammen mit einer kleinen Glaskugel, die man in den Spritzlutschker hineinsteckte. Dann ging es ab zur Bassena, dort wurde das Ende des Spritzlutschkers über den Wasserhahn, die „Pipn“, gezogen, das Wasser aufgedreht und das Ganze gut festgehalten, bis sich eine anständig gefüllte Blase bildete. Die wurde sodann am Hals der Öffnung zugehalten und vorsichtig abgezogen. Die Glaskugel durch Umdrehen des Lutschkers zu dessen Hals manövriert, wo sie als Ventil fungierte. Durch Drücken auf den Hals gab die Kugel dann einen gehörigen Wasserstrahl frei. Es muss sich um ein Vorläufermodell der späteren Spritzpistolen gehandelt haben. Die Wasserschlacht konnte beginnen.

Sehr gut konnte man aus diesen Spritzlutschkern auch Wasserbomben machen, indem man sie vom Fenster im ersten Stock, denn dort wohnte ich, einfach auf die Strasse plumpsen ließ.

Dazu musste man sehr schnell und listig sein, denn bei dieser Untat entdeckt zu werden konnte schlimme Folgen haben. Der Pracker der Mama war ja nie sehr weit.

Kämpferisch waren wir wohl sehr in diesen jungen Jahren. Galt es doch sehr häufig, das eigene Territorium gegen die Buben, die außerhalb des Gemeindebaus lebten und gelegentlich eindrangen, zu verteidigen.

Da war auch das Kittröhrl eine geeignete Waffe. Gekauft haben wir das beim Glaser, den es ja heute auch nicht mehr gibt. Da gab es um ein paar Groschen ein Glasröhrchen und eine faustgroße Menge Fensterkitt. Ein kleines Stück Kitt wurde abgezupft, an einem Ende in das Röhrchen gedrückt, und dann wurde kräftig daraufgeblasen. Tat ganz schön weh, wenn man von so einem Kittgeschoss getroffen wurde. Und Spaß hat es auch gemacht.

Informationen zum Artikel:

Meine martialische Kindheit

Verfasst von Hans Brennecke

Auf MSG publiziert im April 2013

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Wien, 14. Bezirk
  • Zeit: 1940er Jahre, 1950er Jahre

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