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Binkötroga, Beitrag 1 von 1
Heuernte war gleichzeitig ein Familienfest
von Monika-Maria Windtner
Mein Gott, wie sehr liebte ich es, wenn die Heuernte anstand. Obwohl wir Kinder fleißig zupacken mussten, war es für mich persönlich immer ein Fest der Freude, denn die ganze Familie kam zusammen. In erster Linie natürlich meine Großeltern, die ja die Hausherrn waren, meine Eltern, vier Tanten, vier Onkel, und wir Kinder, meine zwei jüngeren Geschwister, unsere zwei Cousinen und ein Cousin.
Am Sonntag, bevor es so weit war, sagte meine Oma allen Bescheid, an welchem Tag sie "habt-Acht-stehen" mussten. Vorraussetzung war natürlich, dass das Wetter passte. Das Mähen, Umkehren, Schobern, also die großen Vorarbeiten, machten meine Großeltern, meine Mutter und wir drei Kinder, die am Haus wohnten, alleine. Aber dann, wenn das Heu eingebracht wurde, mussten alle anpacken. Waren diese Wiesen doch alle so steil, dass keine einzige landwirtschaftliche Maschine benutzt werden konnte. Abgesehen davon wäre es für meine Großeltern nicht leistbar gewesen. Diese Geräte besaßen damals nur wirklich reiche Bauern. Was ich hier berichte, spielte sich zwischen 1967 und 1978 ab. Außerdem waren meine Großeltern keine Großgrundbesitzer, sondern einfache "Häuslleut" mit Wiesen zum Mähen, Hühner, Ziegen, Enten und höchstens drei Kühen. Mein Opa musste auch arbeiten gehen, und war sehr stolz auf seinen verantwortungsvollen und damals angesehenen Beruf. Er war "Streckengeher" bei den Bundesbahnen. Als solcher musste er die Zugschienen entlang gehen und sie auf eventuelle Schäden hin kontrollieren.
Naja, wenn es dann so weit war und das Heu eingebracht wurde, brauchten wir dringend starke Männer, nämlich die "Binkötroga". Quadratische Planen, aus sehr strapazfähiger Jute, wurden auf den Boden ausgebreitet, die sogenannten "Blocha"; an jeder der vier Ecken, war ein Seil befestigt. Darauf wurde das Heu aufgebreitet, aber nicht irgendwie, mein Lieber, sondern ganz regelmäßig und genau. Das geschulte Auge meines Opas wachte darüber. Die Regelmäßigkeit musste nämlich deswegen sein, weil die vier Ecken mit den Stricken dann zusammengefasst und fest verbunden wurden. Auch das Binden war eine eigene Kunst. Der "Binkö", wie das fertige Heupaket hieß, durfte nicht einseitig beladen sein. Er durfte nicht zu fest, aber schon gar nicht zu locker gebunden sein, denn die Männer, also die "Binkötroga", hievten diesen dann mit Hilfe von zwei anderen Helfern, zwischen ihre Schultern und trugen ihn so hinunter ins Tal auf den Heuboden. Schrecklich, wenn die Ladung unwuchtig gewesen wäre, hätten sie das nicht zustande gebracht.
So arbeiteten wir viele Stunden. Einige Zeit bevor die Arbeit auf der Wiese fertig war, verließ meine Oma den Ort des Geschehens, ging ins Haus und richtete eine Jause für alle fleißigen Helfer her.
Wenn wir dann fertig waren, blieben wir meistens noch ein wenig auf der Wiese sitzen und plauderten. Dann gingen wir gemeinsam zum Haus und ließen uns von Oma bewirten. Zur Feier des Tages gab es immer eine "aufgschnittene Speckwurscht", wie man im Salzkammergut zu einer Essigwurst zu sagen pflegt, und noch viele andere Leckerbissen, die es eben nur an Feiertagen gab.
Der Abschluss mit dem gemütlichen Beisammensein, dauerte oftmals sehr lange. Die Stunden vergingen wie im Fluge und schnell wurde es Mitternacht.
Gerne denke ich an diese Zeit zurück, die auch nicht immer leicht war, aber schön, sehr schön sogar!
Heuernte war gleichzeitig ein Familienfest
Verfasst von Monika-Maria Windtner
Auf MSG publiziert im September 2009
In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Worte der Kindheit
- Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
-
- Ort: Oberösterreich, Traunviertel, Salzkammergut, Traunkirchen
- Zeit: 1960er Jahre, 1970er Jahre
Copyright
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Seine Veröffentlichung erfolgt unter einer Creative-Commons-Lizenz.

