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eindechteln, Beitrag 1 von 1

Waschküchenjargon

von Gabriele Adrigan

In den Waschküchen, wo kein gemauerter „Grand“ zum Schwemmen existierte – diese fand man kaum in den Häusern, die vor den Zwanzigerjahren erbaut worden waren –, brauchte man zum Schwemmen ein Schaff, also ein bottichartiges Gefäß aus Holz, besser aus Holzdauben, die mit Metallreifen zusammengehalten waren.

Wenn man so ein Schaff längere Zeit nicht benützte oder wenn es sehr heiß und trocken war, trocknete das Holz aus, und es entstand ein kleiner Spalt zwischen den Latten, wo dann das Wasser durchsickerte. Man sagte, das Schaff wäre „zerlexnt“ oder „zlexnt“. Ich habe dieses Wort wie noch einige andere nie geschrieben gesehen, sie nur von den Expertinnen der Waschküche gehört, sodass ich für die Rechtschreibung nicht einstehen kann. Aber wenn ein Schaff undicht war, musste man es „eindechteln“, das heißt, so oft mit Wasser füllen, bis das Holz wieder feucht genug war, um die Ritzen zu schließen.

Wenn eine Wäscherin die Arbeit nicht so ernst nahm, es sich leichter machte und nicht alle „Regeln der Kunst“ beachtete, konnte es vorkommen, dass weiße Wäsche mit der Zeit grau wurde. Dann sagte man, die Wäsche sei „versudelt“ [versudeln]. Nicht zu vergessen die „Rumpel“, mit der kleinere und etwas zartere Buntwäsche bearbeitet wurde, statt sie zu bürsten.

Informationen zum Artikel:

Waschküchenjargon

Verfasst von Gabriele Adrigan

Auf MSG publiziert im April 2009

In: Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Niederösterreich, Industrieviertel, Wr. Neustadt-Umgebung
  • Zeit: 1920 bis 1950

Anmerkungen

Dieser Beitrag wurde nach einem Schreibaufruf der "Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen" zum Thema "Alltagsgeschichte und Sprachwandel im 20. Jahrhundert" verfasst.

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