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Sof, Beitrag 1 von 1

Schlafgelegenheiten

von Friederike Haslinger

Meine Großmutter hatte noch einen Strohsack statt einer Matratze im Bett. Während des Krieges schlief ich auch noch in einem Bett mit Strohsack. Es war heimelig, wenn das Stroh leise knisterte. Auch wenn schon eine Mulde war, konnte man sich gut hineinkuscheln. Aber Großmutter sagte dann, das sei ein „Hundssumpa“, und der Strohsack musste frisch gestopft werden. („Sumpa“ kommt vielleicht von „Simperl“, der aus Stroh geflochtenen Form, in die der Brotteig zum Aufgehen gelegt wurde.) Stopfte einer den Strohsack nicht gut, wurde er womöglich auch „Sumpa“ [Sumper] geschimpft.

Als Mädchen musste ich natürlich bald „aufbetten“ können oder „Bett mocha“, das war eigentlich dasselbe. Die Leintücher wurden schön glatt gezogen, Pölster und Tuchenten daraufgelegt, und am Sonntag kam noch eine Tagesdecke darüber.

Waren die Betten „aufbett’“, durfte man sich tagsüber nicht hineinlegen. Daher machte Großvater sein Mittagsschläfchen auf der „Sofe“ [Sof], einer gepolsterten Lederbank mit Rückwand und links und rechts gepolsterten Erhöhungen. In unserem Haus gab es ein Erbstück von der Wiener Großmutter, einen „Schlaffauteuil“. Das war ein Polstersessel mit Samtüberzug, bei dem man den Sitzteil herunterklappen und die Lehne zurückgeben konnte – fertig war das Bett. Ich schlief lange darauf, bis die Eisenfedern durchstachen.

Skizze eines Lotterbetts wie nachfolgend im Text beschrieben
Lotterbett (Skizze von Norbert Rast)

Meine Freundin hatte ein „Lotterbett“, das war schon etwas Moderneres. Dieses Bett aus Holz hatte am Kopf- und Fußende Sprossen.

Meine Kinder schliefen auf einem „Diwan“ – später wurde das die „Couch“.

Informationen zum Artikel:

Schlafgelegenheiten

Verfasst von Friederike Haslinger

Auf MSG publiziert im April 2009

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Niederösterreich, Wien-Umgebung, Wimmersdorf bei Neulengbach
  • Zeit: 1940er Jahre, 1950er Jahre

Anmerkungen

Dieser Beitrag wurde nach einem Schreibaufruf der "Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen" zum Thema "Alltagsgeschichte und Sprachwandel im 20. Jahrhundert" verfasst.

Copyright

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