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Lifestyle: Eine "Dame" von Kopf bis Fuß

von Ilse Wolfbeisser

Kleidung ist eines meiner Lieblingsthemen, und ich will aufzeigen, wie groß der Unterschied von damals zu jetzt ist. Womit beginne ich? Nun, Wenn eine „Dame“ aus dem Haus ging – und diese „Dame“ wollte als Dame bezeichnet werden! –, dann durfte es nicht ohne Hut und ohne Handschuhe geschehen. Sogar im Sommer hatte sie sich ein keckes Stroh- oder ein duftiges Ich-weiß-nicht-was-Hütchen aufgesetzt – je nach Mode. Sie trug auch gerne einen Topfhut – so hieß der wirklich und sah auch danach aus. In der Übergangszeit wählte sie auch einen Hut in Herrenfaçon mit eher schmaler Krempe oder – etwas leger – eine Pullmanmütze, wie die Baskenmütze damals genannt wurde. Modern war ein knappes Modell und nicht so großflächig wie ein Barett.

Auf den Hüten befanden sich oft gewagte Federngestecke – im Sommer ganze Blumenbeete. Und natürlich ein passender Schleier vor dem Gesicht – ich habe selbst noch mit einem solchen Hütchen geheiratet! Modistin war ein angesehener lukrativer Beruf und es gab unzählige Läden, die hauptsächlich eigene Kreationen zeigten. Es gibt nur mehr verschwindend wenige Hutgeschäfte, die nur Einheitsware für eine Kundschaft führen, die nicht mehr behütet sein will.

Dazu trug sie Spitzen- oder Glacé-Handschuhe (aus einem besonders feinen, dünnen Leder). Sie hat sich ihrem Geldbeutel entsprechend parfümiert, puderte das Gesicht (auch das war obligatorisch!), etwas Rouge auf die Wangenknochen und einen Lippenstift, der ruhig etwas „gewagt“ in der Farbe sein durfte. Die Farbpalette war ja beschränkt, von hellem bis dünklerem Rot – mehr war da nicht drin. Wenn unsere Dame heute in einem BIPA- oder DM-Laden stünde, würde sie die Auswahl umwerfen. Ganz zu schweigen von den Kosmetik-Fachgeschäften. Die Nägel waren gut manikürt und höchstens rosa lackiert – rot wäre „unfein“ gewesen. Meistens waren sie nur poliert oder sie nahm einen farblosen Nagellack. Ich habe mit meiner Mutter kämpfen müssen, als ich 15 Jahre alt war, ob ich meine Nägel farblos lackieren dürfe. Heute tragen kleine Mädchen, die gerade mal in den Kindergarten gehen, grüne, lila oder blaue Glitzernägel!

Auch hatte sie stets eine Handtasche bei sich, höchstens beim Einkaufen um die Ecke ließ sie diese zu Hause. Eingekauft wurde viel mit einem Netz, das es in allen Variationen und Farben gab. Man kaufte ja täglich ein und mußte daher nicht so viel tragen. Getränke wurden kaum gekauft – die gute Wiener Hochquellenleitung war ja im Hause.

Unsere „Dame“ ist noch immer nackt: Sie befestigte einen Busenhalter um ihren Luxusoberkörper, den es zu meiner Zeit schon gab: Schön solid aus glänzendem Atlas mit eingewebten Blümchen – in rosa oder lachs, wie man die etwas kräftigere Hautfarbe nannte. Einen mit Spitzen habe ich nie zu Gesicht bekommen und weiß daher nicht, inwieweit dieser vorhanden bzw. in Mode war. Sie trug Kunstseidenstrümpfe, wenn sie ausgehen wollte oder sonst Baumwollstrümpfe (die Nylons haben erst unsere „Befreier“ aus Amerika mitgebracht und manches „Fräulein“ ward darob schwach). Sie waren braun oder schwarz; die Farben- und Qualitätsvielfalt der heutigen Zeit war höchstens den oberen Zehntausend bekannt. Die Strümpfe gingen bis zum Schenkel und mußten gehalten werden, und zwar mit mehr oder weniger häßlichen Strumpfbandhaltern, auch aus Atlas und ebenfalls in Hautfarbe.

Wer dick war – und davon gab es nicht wenige (ich möchte mir ersparen, diejenigen meiner Mutter zu schildern, welche 100 Kilo wog!) –, trug Mieder, entsetzliche Apparate, und wer eine gute Figur hatte, nahm schmale, relativ hübsche, mit langen Strapsen. Es gab ja noch richtige Miedergeschäfte, die die gängigen Größen lagernd hatten, meistens aber für Mollige nach Maß arbeiteten. In den 80er-Jahren gab es noch ein „Felina“-Fachgeschäft in der Meidlinger Hauptstraße, dann war dieses Genre ausgestorben. Ich habe keine Ahnung, wo die Ladies-Plus ihr „Darunter“ jetzt hernehmen.

Für Kinder gab es natürlich keine Strumpfhosen, die – so wie die der Damen – ein Produkt der 60er-Jahre sind. Ich nähte meinen Jüngsten so eine Art Hosenträger mit Strapsen für die Kinderstrümpfe (auch mein armer Sohn Michael mußte mit diesen herumlaufen).. Es gab ja nichts anderes, und ich habe als Kind bestimmt ähnliches getragen.

Kehren wir zu „unserer Dame“ zurück: Jetzt hat sie also BH, Strümpfe und Halter angezogen und braucht ein Unterhöschen, das, wenn es elegant war, immer offen war, leicht ausgestellt, aus Seide oder Kunstseide, mit Spitze oder Spitzeneinsatz verziert. Wenn sie es sich leisten konnte, hatte sie ein passendes Unterkleid dazu, auch schön mit Spitze verziert – eine sogenannte „Combinaige“ (wie schreibt man das Wort wirklich?). Charmeuse-Unterkleider waren auch beliebt, die waren aus einem elastischen Material und glänzten. Für gewöhnlich trug die Dame ein Trikothemderl, mit oder ohne eingearbeitetem Brustteil, mit Spagettiträgern oder angeschnittenen Trägern. Und dazu einen sogenannten „Liebestöter“, auch „Pumpernella“ genannt. Weiß noch jemand, was ich meine? Ein ganz braves Trikot-Hoserl bis zur Taille und mit angeschnittenen Beinen, jawohl! So etwas tragen jetzt nicht einmal mehr die kleinen Mädchen!

Jetzt kann sich unsere Dame endlich ein Kleid überziehen, denn hauptsächlich Kleider wurden getragen. (Hosen sah man im Straßenbild nie – vielleicht hat es manche Lebedame getragen, die die Marlene Dietrich kopieren wollte. Erst im Krieg, als Frauen zunehmend die Männer im Beruf ersetzen mußten, wurde die Hose gesellschaftsfähig, weil sie praktisch war.) Aber auch Kostüme, klassisch englisch oder französisch tailliert, mit braven Blusen. Man trug schon Röcke, aber immer zusammen mit Blusen und Strickwesten. Pullis waren völlig unbekannt; ebenso T-Shirts, die Leiberln hießen und nur in der Turnstunde getragen wurden. Sweater trugen nur Burschen und Pullis mit V-Ausschnitt die Männer zu den Knickerbockern.

drei Frauen und ein Mädchen unterschiedlichen Alters, die älteste auf einem Sessel sitzend, in dunkler, gediegener Kleidung
Vier Generationen Damenbekleidung (1930er Jahre)

Wenn es warm war, verzichtete die Dame auf einen Mantel. Aber da sie immer zu Fuß unterwegs war, also mit der Tramway, zog sie vielleicht doch eine leichte passende Jacke darüber. Die Garderobe war auch in der Mittelklasse bescheiden: die Kleidung war aus erstklassigen Stoffen, von der Schneiderin genäht (der Schneider machte Kostüme und Mäntel). Konfektion lag in den Anfängen und war nicht sehr verbreitet. Wer auf sich hielt, kaufte doch nicht von der Stange! Es wurde auch viel selbst geschneidert; jede Frau verstand sich aufs Nähen und Weißsticken (meine Mutter hatte in der Schule Weißnäherei gelernt: das beinhaltet Bettwäsche, Tischwäsche und Leibwäsche. Die Frauen haben sich früher ihre Hemdchen – bevor es BHs gab – aus feinem weißen Batist genäht und selbst bestickt. Meine Schwiegermutter hatte solche Hemden noch liegen, ebenso die „Schnellfeuerhosen“. Das war eine Hemdhose, die rückwärts einen raffiniert geschnittenen Schlitz im Stoff hatte, oder man konnte den rückwärtigen Teil der Hose herunterknöpfen – umwerfend!

Eine Dame hatte also einen Sommermantel, einen Übergangsmantel, eine lange Jacke und einen Wintermantel, wenn es hoch kam noch eine Pelzjacke oder einen Pelzmantel dazu. Vielleicht fürs Theater ein Cape oder einen Fuchs (natürlich ein ganzes Vieh, mit Glasaugen und Pfoten, die Druckknöpfe zum Zusammenhängen hatten oder einen Clip unter der Schnauze zum Drapieren), den sie auch über einen Mantel werfen konnte. Muffs waren sehr beliebt: Man konnte sie um den Hals hängen, also mit oder ohne Band, und auf der Innenseite war ein Fach. Als junges Mädchen hatte ich selbst einen aus Naturpersianer, daher weiß ich das so genau.

Ein Großteil der Frauen konnte sticken, handarbeiten und schneidern – ich meine nicht nur nähen, sondern schneidern. Nähen war eine Selbstverständlichkeit, man lernte es ja in der Schule, egal in welche man ging. Ich habe noch Musterfleckerln von meiner Schwiegermutter: darauf zeigte ein Mädchen, was sie in der Schule bezüglich Nähen und Sticken alles gelernt hatte. Es gab Musterfleckerln mit sämtlichen Nähtechniken, also Knopfloch machen, alle Sorten Säume (auch Hohlsäume, Ajour usw.), sämtliche Sticharten, Spitzenverarbeitungen und dergleichen. Andere zeigten verschiedene Kreuzstichmuster, die ich besonders hübsch fand. Es gab Flecke in allen Sticktechniken. Wie mir einmal in einem Heimatmuseum erklärt wurde, dienten diese auch für den eventuellen Heiratskandidaten des Mädchens, um zu demonstrieren, daß sie in allen handwerklichen Fähigkeiten bewandert war. Sie wurde dann "vom Fleck weg geheiratet".

junge Frau arbeitet an einer Nähmaschine beobachtet von einem Mann in Hauskleidung
Die Autorin bei Näharbeiten, mit ihrem Mann Sepp (1958)

Der Großteil der Frauen des Mittelstandes war nicht berufstätig. Heutzutage hat jedes Mädchen eine Berufsausbildung und bleibt höchstens in der kurzen Zeit, wo sie sich vermehren möchte, zu Hause. Daher möchte ich auch nicht bekritteln, daß fast keine Frau mehr schneidern kann. Durch die Berufstätigkeit ist dies schon nicht möglich und außerdem überholt, seit Konfektion zu kaufen gang und gäbe ist.

Es hat auch den Vorteil, daß man sofort sieht, ob einem ein Kleidungsstück steht, was beim Selbstschneidern nie möglich ist. Auch das Stricken ist so eine Sache; wie oft geschieht es, daß das Endprodukt nicht paßt, weil man sich „verstrickt“ hat. Außerdem sind Stoffe und Wolle bereits so teuer, daß es absolut keine Einsparung ist, selbst etwas zu basteln, und früher geschah es ja hauptsächlich, um sich die teure Schneiderin zu ersparen.

Ich habe selbst in der Oberschule (die einem jetzigen Realgymnasium entsprechen würde) schon seit der ersten Klasse Handarbeiten gehabt, wo wir alle Strick- und Häkelarten lernten (sogar Strümpfe und Handschuhe stricken, was ganz schön schwer ist!) sowie alle Sticharten beim Schneidern. Mein letztes Werk in der 4. Klasse war ein Nachthemd mit aufwendigem Schnitt, das ich mit der Hand(!) nähen mußte und fertigstellen konnte. Ein ungeliebtes Stück, damals hatte mich meine Nähleidenschaft nur für Puppenkleidung erfaßt.

Im letzten Schuljahr, das ich dort verbrachte, machten wir nur mehr „Stitzerln“ (das sind Pulswärmer, zwei glatt, zwei verkehrt gestrickt) für die Soldaten im kalten Rußland, von denen mir später mein Mann erzählte, daß sie für die Katz waren, denn darin hielten sich so gut die Läuse! Oder Soldatenmützen gegen die sibirische Kälte, die wie die Ferse für einen Socken gearbeitet waren: Es sahen nur die Augen und die Nase heraus. Die Soldaten mußten damit – falls sie diese überhaupt trugen – wie die jetzigen Bankräuber ausgesehen haben.

Eine Hausfrau konnte also auf jeden Fall einfache Hauskleider oder Schürzen und Sommerkleider selbst machen. Sie konnte Westen, Gilets, Strümpfe, „Stutzen“ (das sind Trachtenkniestrümpfe mit schönem Zopferlmuster), Norwegersweater mit Wolle in zwei Farben oder englische ärmellose Westen (mit zweifarbigen Rauten) für den Gatten oder Sohn stricken und schöne Kleinkinderkleider häkeln oder stricken wie meine Großmutter, die Schals, Mützen und Fäustlinge für das Kind (mehr als eins hatte man damals kaum) anfertigte. Sie stickte ganze Tischdecken und kleine Deckchen, die überallhin eingebreitet oder daruntergelegt wurden.

Meine Mutter bestickte die riesengroßen weißen Vorhänge  auf der Veranda (es handelte sich um drei Meter hohe Räume und acht Meter Fensterfront!) mit bunten Blütensträußen – ich sehe sie jetzt noch vor mir. Filethäkelei – Tischdecken und Deckerln – waren sehr beliebt, je mehr, desto besser. Alle diese Handarbeiten verschönten die Wohnung und präsentierten das Können der Hausfrau. Da meine Mutter berufstätig und als Klavierlehrerin sehr ausgelastet war, konnte sie sich eine Bedienerin leisten und brachte es trotzdem auf eine beachtliche Anzahl von handarbeitlichen Werken.

Die Auswahl an Tüchern und Schals war bescheiden; sie dienten hauptsächlich dazu, daß der Hals den Mantelkragen nicht „speckig“ machte. Heutzutage ist der Ideen- und Farbenreichtum ja enorm. Aber wir trugen auch Variationen, besonders im Krieg, als Filz – das Rohmaterial für Hüte – Mangelware wurde und Tücher als Kopfbedeckungen herhalten mußten:

l. Variante: Ein quadratisches Tuch wurde auf den Kopf gelegt und mit zwei Zipfeln im Nacken gebunden. Die beiden anderen Enden, die rückwärts herunterhingen, wurden um den Hals nach vorne geführt und oben auf dem Scheitel verknüpft. Der Knoten blieb sichtbar.

2. Variante (die Kopfbedeckung der „Trümmerfrauen“ nach dem Kriege): Ein Quadrat wurde zu einem Dreieck gelegt und das zusammengelegte Tuch so auf den Kopf gelegt, daß die 90-Grad-Ecke auf die Stirne hing. Die langen Zipfeln wurden um den Kopf geführt, auf dem Scheitel verknotet, die breite Ecke nach rückwärts darüber gezogen und zu einem gefälligen Knoten gesteckt, so daß der Knopf darin verschwand.

3. Variante: das Dreiecktuch wurde nach Bäuerinnenart im Nacken einmal verschlungen und die Enden zurück zum Scheitel geführt, wo sich noch ein kleiner Knoten ausgehen mußte. Nicht lachen! Die Not macht erfinderisch!

Ein Schirm war nur zweckmäßig und nicht faltbar, also ist da weiter kein Wort zu verlieren. Die Handtaschen waren edel – aus Leder von teilweise gefährdeten Tieren: Kroko, Schlange, Eidechse – ohne Hemmung. Kleine Handtaschen, nur fürs Ausgehen, nobel in Petit Point (je kleiner der Stich, desto teurer) oder Perlen. Die Stadttaschen waren relativ groß; nicht das Handy mußte Platz haben, sondern die Puderdose mit Spiegel und ein kleiner Parfümflacon. (...)

Im Sommer trug man Sockerln, auch zu Sommerkleidern, was nicht als Faux pas galt, oder die selbstgestricken Kniestrümpfe. Zu den Dirndln trug man schöne, selbstgestrickte Trachtenwesten. Ältere Damen sah man auch mit gehäkelten, dreieckigen Stolen.

Zum Thema Schmuck ist zu sagen: Ältere Damen trugen die Taschenuhren, die ihre Mütter noch an einer kurzen Kette wie die Herren in die Brusttasche der Kostümjacke steckten, an einer langen goldenen Kette um den Hals. Halsketten mit Anhängern, Broschen trug man gerne. Nach 1938 bekam man in der „Ostmark“ Bernstein von der Ostsee zu vernünftigen Preisen, weshalb dieser in verschiedenen Formen in der Schmuckschatulle meiner Mutter lag. Ohrringe waren sehr beliebt, auch bei ganz kleinen Mädchen.

Der große Unterschied zu heute ist, daß man nur einen Ring pro Hand aufsteckte; der aber mußte möglichst protzig sein. Jetzt tragen die jungen Frauen bis zu drei Ringe pro Finger – alles, was sie eben so haben (hat man den Eindruck), aber zart. Auch mehrere Ketten auf einmal war nicht üblich, nicht einmal eine kurze und eine lange. Armbänder nur in Gold. Silber war nicht sehr gefragt, möglicherweise, weil es noch nicht anlaufgeschützt war. Wer es sich leisten konnte, behängte sich mit Brillanten, die die begehrtesten aller Steine waren. Edelsteine waren geschätzt und Perlen nur als Naturperlen; Zuchtperlen sind das Produkt einer späteren Zeit und falsche Perlen hätte eine „Dame“ als Talmi verschmäht. (...)

Die Dame trug seit den 20er-Jahren einen Bubikopf. Vorher und zu dieser Zeit konnte sie keine haltbaren Locken produzieren, nur vorübergehende mittels Brennschere oder Ondulierklammern. Ich weiß nicht, wann die Dauerwelle erfunden wurde; ich weiß nur, wie sie war, nämlich schrecklich. Weil ich „Schnittlauch-Locken“ hatte und die Zöpfe mit 13 Jahren leid war, sekkierte ich meine Mutter so lange, bis sie mir erlaubte, die Haare abschneiden und Dauerwellen machen zu lassen. Es gab nicht mehr viele Friseure, die noch Material oder Geräte für diese Prozedur erhielten, weshalb ich nach Altmannsdorf pilgern musste, und es war so arg, daß ich mir bis jetzt das Haus (Breitenfurterstraße schräg unterhalb des Grundig-Werkes) gemerkt habe, wo mein Haar malträtiert wurde.

Es war ein Rieseneisengestell mit schweren Kabeln, die in die noch schwereren Lockenwickler gesteckt wurden. Der ganze Kopf war praktisch auf diesem Gerät aufgehängt und die Dauerwelle wurde so eingebrannt. Ich war so eitel, daß ich mir das später nochmals in Mondsee im Urlaub machen ließ, und man war danach nicht wirklich schöner. Ich weiß nicht, wann diese Marter von der Emulsion abgelöst wurde, wie wir sie mehr oder weniger unverändert kennen. Ich nehme an nach dem Krieg in Feldkirch war es soweit, ich hätte es mir sonst unweigerlich gemerkt.

Außer Blondieren war Färben unbekannt. Blondiert wurde früher mit Wasserstoffsuperoxyd (jetzt auch noch?) – ein sehr schädigendes Mittel. Gefärbt hat sich hie und da ein älterer Herr, der jünger aussehen wollte, und das sah man auch sofort. Also, gegeben hat es dies, aber keine Frau wollte rot oder schwarz sein, höchstens blond. Den Unterschied zu jetzt, vor allem bei der Jugend, muß ich nicht weiter erörtern.

Informationen zum Artikel:

Lifestyle: Eine "Dame" von Kopf bis Fuß

Verfasst von Ilse Wolfbeisser

Auf MSG publiziert im J├Ąnner 2010

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Wien, 13. Bezirk / Tirol, Innsbruck/Umland
  • Zeit: 1930er Jahre, 1940er Jahre, 1950er Jahre, 1960er Jahre

Anmerkungen

Der Beitrag ist ein Ausschnitt aus meinem 2002 verfassten Manuskript "Lifestyle. Alltag - einst und jetzt", S. 15 ff.

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