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Såcha, Beitrag 1 von 1

Geburt und Kindbett

von Friederike Haslinger

Als bei meiner Mutter die "G'schicht" oder die "Såcha" ausblieb, war sie "in der Hoffnung" oder "guata Hoffnung" [in der Hoffnung] sein. Im Dorf wusste man bald, dass sie "wos Kloans" kriegt. Am 14. Jänner 1940 kam ich dann "auf d' Welt" - ein "Menscherl"; ein Bub wäre ein "Buawerl" [Buberl] gewesen.

Weil es so bitterkalt war, wurde ich zu Hause getauft, und die Godl und der Göd kamen mit dem Schlitten und brachten gleich den Pfarrer mit, der mit "Gelobt sei Jesus Christus" begrüßt wurde. Dieser Gruß war bis Ende der 40er-Jahre üblich.

Ich wurde in einen "Wickelpolster" gesteckt, der reichlich mit Spitzen besetzt war. Meine ersten Kinder (geboren 1959 und 1961) hatten noch ein"Steckkissen", aber das dritte bekam gleich ein Strampelhöschen. Ich war damals schon "schwanger" und bekam ein "Baby".

Meine Großmutter, die meine Mutter "im Kindbett" besuchte, hatte bestimmt eine warme "Gugl" - das war ein übergroßes Kopftuch - aus Wolle oder seidigem Plüschgewebe auf dem Kopf. Die Godl wird ihre Hände in einem "Muff" aus Pelz oder Plüsch warmgehalten und der "Wöchnerin" vielleicht etwas mitgebracht haben.

Die junge Mutter sollte eine Woche im Bett bleiben, aber so manche Bäuerin stand noch am Tag der Geburt wieder auf, um nach dem Rechten zu sehen. So kam es vor, dass eine Mutter an "Blutsturz" starb.

Was die Wöchnerin mit den Frauen so übers Kindbett redete, sollten Kinder nicht hören, und wenn sich eines näherte, hieß es: "Schindeln san am Dåch" [Schindeln am Dach]. Wollte man etwas sagen, was ein anderer nicht hören sollte, sagte man: "Is d' Luft rein?"

Informationen zum Artikel:

Geburt und Kindbett

Verfasst von Friederike Haslinger

Auf MSG publiziert im April 2009

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Niederösterreich, Wien-Umgebung, Wimmersdorf bei Neulengbach
  • Zeit: 1940er Jahre, 1950er Jahre

Anmerkungen

Dieser Beitrag wurde nach einem Schreibaufruf der "Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen" zum Thema "Alltagsgeschichte und Sprachwandel im 20. Jahrhundert" verfasst.

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