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Ausflugsziele am Rand der Stadt

von Norbert Rast

In meiner Kindheit und Jugend bestand das Sonntagsvergnügen meistens darin, Ausflüge in die nähere Umgebung, manchmal auch etwas weiter weg, zu machen, an Ziele, die durch öffentliche Verkehrsmittel relativ einfach zu erreichen waren.

Ein richtiger Straßenbahnknotenpunkt war Mauer, weil dort an Sonntagen sehr viele Menschen zusammenkamen, um entweder direkt in Mauer und Umgebung zu bleiben oder mit der Straßenbahn bis Mödling weiterzufahren. Am späteren Nachmittag standen dann hunderte Personen bei der Umsteigstelle, um nach Hietzing zu fahren. Manche Straßenbahnen fuhren von Mödling bis Hietzing durch, andere drehten, von Hietzing kommend in Mauer um und fuhren zurück. Zu manchen Zeiten hingen wahre Trauben von Menschen an den Trittbrettern der Waggons, an ein Mitfahren war nicht zu denken, wir standen manchmal bis zu einer Stunde, bis wir Platz fanden. Ähnlich war es beim Gänsehäufel, wenn der C-Wagen kam, wurde er richtig gestürmt, auch hier fuhren viele Fahrgäste auf den Trittbrettern mit. Nach so einem Erlebnis wurde es meinem Vater zu bunt und wir fuhren daraufhin immer mit dem Möbelwagen ins Bad.

Meine Eltern nahmen zu solchen Ausflügen immer das Essen mit, kalte Schnitzel oder Geselchtes, Salat usw. In den Ausflugsgasthäusern war es üblich, dass ein Teil der aufgestellten Tische nicht gedeckt war, hier konnte man auspacken und sich Getränke zum mitgebrachten Essen bestellen. Personen, die im Gasthaus warmes Essen bestellten, waren selten, wir Kinder hörten bei solchen Anlässen immer: „Die müssen viel Geld haben …“

Dieses mitgebrachte Essen ist auch der Grund, warum die richtigen Weingläser beim Heurigen einen Henkel haben: Man aß mit den Fingern, meistens ohne Besteck und hätte daher ein glattes Glas leicht fallen lassen.

Ein beliebtes Ausflugsziel unter vielen anderen war der Hermannskogel. Ich habe noch das alte Schutzhaus Jägerwiese gesehen, ein richtiges Berggasthaus, ebenerdig, das ohne weiteres in eine entferntere ländliche Gegend gepasst hätte. Ein niederes, lang gestrecktes gedrungenes Gebäude mit dicken Mauern, heimelig und alt. Ungefähr in den 70er Jahren wurde es durch einen Neubau ersetzt, später wahrscheinlich als Lager verwendet und irgendwann abgerissen.

Vor vielen Jahren gab es am Rand der Jägerwiese, in Blickweite des Gasthauses einen kleinen Schilift, den ich noch in Betrieb gesehen habe. Ebenfalls seit vielen Jahren hält der Wirt verschiedene Tiere wie Esel, Wildschweine, verschiedene Vögel usw.

Knapp unterhalb der Warte des Hermannskogels gab es auch ein Gasthaus. Wenn man heute von Südwesten zur Warte aufsteigt, sieht man noch die Reste der Terrasse, die durch den Weg vom Hauptgebäude getrennt war und den die Kellner überqueren mussten. Sie befand sich unmittelbar vor dem letzten Wald vor der Warte auf der linken Seite, auf dem Platz gegenüber stand das Gasthaus. Nach Schließung wurde das Gebäude jahrelang von Obdachlosen als Quartier benutzt und ebenfalls irgendwann einmal abgerissen.

Ich habe noch vor einigen Jahren sogar Schneerosen auf dem Hermannskogel gefunden, außerdem gab es dort jedes Frühjahr die ersten Palmkätzchen.

Ich glaube, dass damals viel mehr Ausflugslokale in Betrieb waren und auch frequentiert wurden. Da gab es die „Taverne“ in Weidlingbach, in der Steinriegelstraße knapp nach der Sieveringer Straße, ein großes Lokal. Wir machten vor circa 30 Jahren einen Ausflug auf den Parapluiberg und kamen bei zwei verlassenen, alten Ausflugsgasthäusern, mitten in einer wunderschönen Wiese liegend, vorbei. Da waren zwei Gasthäuser in Steinriegl, in der unmittelbaren Nähe gab es einen kleinen Teich, in dem ich als Bub Feuerunken gefangen habe, ich behielt sie einen Tag zu Hause und setzte sie dann im Türkenschanzpark aus.

Ein bekanntes Lokal lag an der Hauptstraße von Scheiblingstein, heute gibt es noch die Windischhütte und ein zweites Lokal in der Nähe. Etwas nordöstlich und tiefer gelegen stand die Gsängerhütte, ebenfalls ein altes Schutzhaus, soviel mir bekannt ist, im Besitz vom Stift Klosterneuburg stehend. Das Stift kündigte dann eines Tages den Pachtvertrag und verwendete das Gebäude als Unterkunft für Holzfäller. In dem verwilderten Garten habe ich vor vielen Jahren mit meinen Kindern Äpfel gepflückt und im Wald Bucheckern (Samen der Buche) gesammelt. Im Währinger Cottage gab es bis circa Anfang der 60er Jahre viele Buchenalleen. Wir Kinder sammelten im Herbst die Bucheckern und aßen mit Begeisterung die Samen, wir liefen wie Hendln in den Straßen herum und „pickten“ beinahe die Körner auf.

Ein großer Unterschied zu meiner Jugend besteht darin, dass man damals eben fast immer nur mit Straßenbahn und Autobus unterwegs war, und dann von der jeweiligen Haltestelle zu Fuß gehen musste. Von Purkersdorf auf die Hochramalm geht man schon eine Weile. Wir Kinder wurden dann eben manchmal damit belohnt, dass wir eine Bootsfahrt auf dem Berg machen durften. Dieses Lokal gibt es, nach meiner Information, auch heute noch.

Oder wir fuhren mit dem Bus zur Sophienalm – das war immer das „bessere“ Gasthaus –, gingen dann weiter zur Mostalm, ein billigeres, aber sehr gemütliches Lokal, aßen dort auf ungedeckten Tischen unser mitgebrachtes Essen, kauften für jeden ein Getränk, konnten noch eine Weile spielen und dann ging es wieder nach Hause.

Bei schönem, klarem Wetter konnte man an einer Stelle des Weges von der Sophienalm zur Mostalm den Schneeberg wunderbar sehen.

Was ich nicht mehr gesehen habe: Von Mauerbach gab es, Jahre vorher, die sogenannte „Knöpferlbahn“, eine Art Schrägaufzug auf die Mostalm. Die „Waggons“ sahen wie Kutschen aus und wurden in ein Endlosseil eingeklinkt, das mit Kugeln „Knöpferln“ versehen war. Diese Kugeln verhinderten das Bergablaufen der Wagen.

Einige Ausflugsgasthäuser:

Häuserl am Stoan, Höhenstraße

Ein altes, sehr gemütliches Lokal, in meiner Kindheit gab es noch zwei weitere Terrassen: steht man im heutigen Gasthausgarten und schaut talwärts, sieht man die erste, leicht verwilderte Terrasse, unterhalb davon gab es noch eine, die Kellner mussten mit den Speisen und Getränken über eine steile Stiege laufen, um zu servieren.

Grüaß di a Gott Wirt, Sieveringer Straße

Ein altes Lokal, war jahrelang geschlossen, wird jetzt wieder betrieben, früher ein beliebtes Ausflugslokal, in den letzen Jahren wegen der Motorisierung „unmodern“ geworden, so wie viele andere dieser Art.

Gasthaus „Zur eisernen Hand“, Kahlenbergerstraße

Lange Jahre in Betrieb, eine große Terrasse mit prachtvollem Ausblick auf die Donau, dann vom König des Wiener Nachtlebens, H. W. Schimanko, mit der Auflage gekauft, innerhalb kurzer Zeit wieder den Gasthausbetrieb aufzunehmen, was nach meiner Information nie der Fall war.

Gasthaus Wienerhütte, bei Kaltenleutgeben

Ein beliebtes Ausflugslokal. Wir fuhren meist bis Rodaun und gingen dann oberhalb der „Mizzi-Langer-Wand“ – viele Jahre die Kletterübungswand der Wiener –, auf dem gemütlichen Waldweg bis zum Lokal. Der Wirt hielt verschiedene Tiere, hatte einen Spielplatz und im Winter sogar einen kleinen Babylift. (Es gab auch viele Jahre ein Sportgeschäft „Mizzi Langer“ in 1070, Kaiserstraße, heute heißt es „Bergfuchs“.)

Gasthaus „Häuserl im Wald“ (? ich erinnere mich nicht mehr genau an den Namen)

Ungefähr am Ende der langen Kurve der Höhenstraße, wenn man vom Kahlenberg kommt, auf der rechten Seite, nicht ganz an der Straße, sondern etwas im Wald liegend. Es wurde, wie ich glaube, vor vielen Jahren durch ein Feuer vernichtet und nicht wieder aufgebaut.

Informationen zum Artikel:

Ausflugsziele am Rand der Stadt

Verfasst von Norbert Rast

Auf MSG publiziert im Juli 2009

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Orte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Wien, 14.-19., 23. Bezirk / Niederösterreich, Wien-Umgebung
  • Zeit: 1940er Jahre, 1950er Jahre, 1960er Jahre, 2000er Jahre

Anmerkungen

Dieser Erinnerungstext entstand in Zusammenhang mit einem Gesprächskreis unter dem Motto "An den Rändern der Stadt" im Herbst 2008 und wurde anlässlich des "Tagebuchtages" bei einem "Lesenachmittag" am 6. November 2008 im Wien Museum Karlsplatz vorgetragen.

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