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Die Fahrt mit dem Goaßbock

von Gerhard Frohner

1935

Die Steindl Tante brachte mir einmal ein kleines Geschirr, welches sie in ihrer Kindheit zum Fahren mit einem Bernhardiner verwendete. Hier bei uns kein Bernhardiner weit und breit. So kamen wir auf die Idee, dass der Ziegenbock des Weiland Hansi für diesen Zwecke gerade das richtige Gespann wäre. Nachdem der Otata die Erlaubnis erteilte, wurde dieser angeschirrt und ein kleines Leiterwagerl eingespannt. Da der Bock aber das Ziehen nicht gewohnt war, mussten zwei größere Buben diesen führen. Der Orth Emil und der Gustavik Rudi wurden dazu ausersehen.

Nun ging es los, der Hans vorne im Wagerl, ich dahinter. Diese Fahrt ging hinein ins Dorf bis zum Schinhan-Wirtshaus und dann zurück. Eine riesige Kinderschar um und hinter uns begleitete uns. Eine echte Sensation, eine richtige Gaudi.

In der Bahnstraße, beim Neugebauerhaus will der Bock einfach nicht mehr.

Mit einem Wort, wie es so schön heißt: „Er bockt“.

Der sehr erfinderische Hans griff daher nach vorne und zwickte den Bock in die Eier, worauf der Bock wieder agil wird und einen richtigen Satz macht. Den Hans schleudert es dabei vom Wagen und er kommt unter die Räder.

Geplärr und Ende der Vorstellung.

Jahrelang stank das Geschirr, welches bei der Gartentür hing. Nicht zu glauben, dass das so lange und intensiv stinken kann.

Informationen zum Artikel:

Die Fahrt mit dem Goaßbock

Verfasst von Gerhard Frohner

Auf MSG publiziert im Mai 2012

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Niederösterreich, Weinviertel, Marchfeld, Obersiebenbrunn
  • Zeit: 1930er Jahre

Anmerkungen

Habe für meine Nachkommen eine Unmenge ähnlicher G'schichteln aufgezeichnet. Diese Geschichte ist in der Dokumentation Obersiebenbrunn unter "Fredis Jagagschichteln und anderer Unsinn" schon veröffentlicht. Siehe http://doku-obersiebenbrunn.g-zier.at/index.php?title=Fredis_Jagagschichten

Mir geht es nur darum, meinen Kindern und Enkelkindern unsere Jugendzeit zu präsentieren, damit diese nicht mit unserem Abtritt verloren geht.

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