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Stammtischrunde beim Gruner

von Engelbert Rohringer

Wie immer am Sonntagvormittag besuchte ich mein Stammbeisl. Es war ein verhältnismäßig kleines Lokal, früher sagte man dazu etwas abwertend „kleine Quetschn“. Es war aber keine zwielichtige „Bumsn“, in der hauptsächlich nur „Pülcher“, also Ganoven, verkehren. Es war ein gut geführter Familienbetrieb und befand sich in Dornbach. Das Publikum war aber sehr gemischt und daher konnte man die verschiedensten Ausdrücke hören. Heute existiert er leider nicht mehr.

Straßenansicht des Wirtshauses "König von Ungarn" in Dornbach

Es war ein kalter Wintertag, es hatte einen ordentlichen „Zapfen“. Mir bereitete das aber keine Probleme, denn ich hatte einen warmen „Joschi“ (Mantel) an. Im Lokal war es „wacherlwarm“.

Der Stammtisch war wie immer gut besetzt. Die Herren diskutierten, denn tratschen tun ja nur die Damen. Sonntags arbeitete die Frau des Sohnes der Besitzerin, eine „g’stellte Katz“ – „fesche Frau“ würde man anderswo sagen – mit, und einige ältere Semester „speanzelten“ kräftig, aber natürlich erfolglos.

Der Stammtisch war eine Fundgrube der verschiedensten Ausdrücke. Als ein Besserwisser sein Achterl ausgetrunken hatte und das Lokal verließ, konnte man vernehmen: „Des war a Pleampl …“ – „Geh des Zniachterl war a Dampfplauderer, der is ja net ganz dicht", meinte ein anderer. Ein Dritter sagte lautstark: „Des is a Schleimscheißer, der an Schnee von gestern verzapft.“ Eine Zeit lang ging das so dahin, bis einer feststellte: „I hob meine Spän (Zigaretten) vergessen, wer kann ma an Tschick spendieren?“

Kam ein Gast, fragte höflich, ob er die Toilette besuchen dürfe, und kaufte sich nicht einmal ein Achterl, konnte man vernehmen: „So a ‚Negerant’, der net amoi an ‚Schü’ (Schilling) auslassen wü.“ So fein war dieses Lokal natürlich nicht, dass es sich eine „Stoffwechselbeamtin“ (Häuselfrau) leisten konnte.

Wie Sie sehen, kann man beim Sonntagsbesuch einer Gaststätte einiges aufschnappen, was man im Alltag die Woche über fast nicht zu hören bekommt. Eines darf man allerdings nicht vergessen, dem „Joschi“ - so werden die meisten Kellner genannt - ein „Bakschisch“, also „a paar Netsch“, zu spenden. Sonst wird man als „Sandhas“ bezeichnet.

Jetzt heißt es wieder den „Joschi“ anziehen und natürlich den „Tschabasdeckel“ (Schabbesdeckel; Hut) aufsetzen, „Gschamster Diener“ sagen und heimwärts zum „Papperl“ zu schreiten.

Es war eine „Gaudi“. Bitte kommen sie bald wieder.

PS.: Die Einzahl von „Spän“ heißt „Spau“.

Informationen zum Artikel:

Stammtischrunde beim Gruner

Verfasst von Engelbert Rohringer

Auf MSG publiziert im Juni 2009

In: Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Wien, 17. Bezirk, Dornbach
  • Zeit: 1980er Jahre, 1990er Jahre

Anmerkungen

Dieser Beitrag wurde nach einem Schreibaufruf der "Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen" zum Thema "Alltagsgeschichte und Sprachwandel im 20. Jahrhundert" verfasst.

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