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Damals war ich schon 'die Große'

von Karin Nebauer

Der jüngste Bruder sitzend zwischen den beiden älteren Geschwistern

Im September 1947 ging die Mutter nach Wien ins Internat an der Semmelweisklinik und ich in die erste Klasse der einklassigen Volksschule in Hirschenwies. Bei uns blieb Tante Rosa, eine ältere, gehbehinderte Frau, Flüchtling aus Schlesien.

Vor Schulbeginn fuhr die Mutter mit uns nach Weitra, um etwas zu erledigen und um uns fotografieren zu lassen. Auf dem Hinweg liefen wir erst ein Stück zu Fuß und wurden dann von einem Fuhrwerk mitgenommen. Es war gerade Kirtag. An einem Standl gab es kleine Reibeisen, die ich für ein Kinderspielzeug hielt. Ich wollte so gern eines haben, aber dafür war kein Geld da. Die Mutter schimpfte, ich weinte vor Enttäuschung. Verheult wie ich war, musste ich zum Fotografen mitgehen. Die Mutter bezahlte den Fotografen mit Butter. Auf dem Foto trage ich ein schwarz-rotes Dirndl, das mir die Mutter aus geschenkten Sachen mit der Hand genäht hatte.

Damals war ich schon „die Große“, die für die Brüder mit verantwortlich war und auf sie aufpassen musste.

Informationen zum Artikel:

Damals war ich schon 'die Große'

Verfasst von Karin Nebauer

Auf MSG publiziert im Juli 2009

In: Lebensgeschichtliche Fotorevue

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Niederösterreich, Waldviertel, Weitra, Hirschenwies
  • Zeit: 1942

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