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Erstkommunion

von Barbara Rathgeb

Ich ging mit vielen anderen Kindern in die zweite Klasse Volksschule. Frühling war es geworden, die Kirschbäume blühten, und unser Tag der Erstkommunion rückte näher.

In der Religionsstunde erzählte uns der Herr Pfarrer von Jesus mit seinen Jüngern und dem letzten Abendmahl. Es wurde mein Eckstein im Glauben neben dem Tischgebet und dem Rosenkranz zu Hause. In den Geheimnissen lag die Not, die Hoffnung, das Heil Jesu samt seiner Mutter geborgen. Wirklich verstehen konnte ich es nicht, doch brachte es oft ein friedliches, freudiges Miteinander.

Erwartungsvolle Freude lag auch in der Vorbereitung auf das große Fest. Tante Lena änderte mit viel Liebe das weiße Kleid der großen Schwester. Der Stoff, in sich gemustert, glänzte an den bauchigen Ärmeln, den gelegten Falten von der Brust bis zum Rocksaum und dem Bubikragerl. So nannte man dessen kleine runde Form.  Den Rücken zierte eine Reihe Perlmuttknöpfe und eine breite Masche. Sogar weiße Schuhe bekam ich von Mam zur Erstkommunion, und zum Friseur durfte ich einen Tag zuvor, zum Schönmachen für das besondere Fest. Der Friseurmeister begann nach dem Waschen mit der Prozedur. Er wickelte das schulterlange Haar strähnchenweise um stachelige, runde Dinger, dabei zwickte und zwackte es manchmal an  meiner Kopfhaut.

Endlich fertig für die große Haube, unter Surren und in warmer Luft trocknete die geheimnisvolle Haarpracht. Die Zeit schien lang im Still-dasitzen-Müssen, ein Piepsen kündete das "Fertig" an. Sachte entledigte Herr Florian die Wickler aus dem Haar, Locken umrahmten mein Gesicht, Locken die ich noch nie gesehen, Stoppellocken nannte man diese.

Nur noch eine Nacht bis zum Tag der Erstkommunion. Mit leicht zerzausten Locken und aufgeregt erwachte ich. Auch Mam war aufgeregt, die Zeit drängte beim Anziehen ihrer Festtracht, des Überrocks. Die große Schwester heftete mit Sicherheitsnadeln das Schultertuch und den Rock an das Mieder. Beide herausgeputzt, ich mit dem weißen Kranzerl im Haar, die Taufkerze in Mutters Kirchentasche, so machten wir uns  eilends zu Fuß auf den Weg ins Dorf. Dort angekommen, erstatteten sie noch einen Kurzbesuch beim Gregor Florian, er machte mit dem elektrisch erwärmten Lockenstab und ein paar Handgriffen meine Locken perfekt, für mich zu etwas ganz Besonderen.

Viele festlich gekleidete Frauen mit ihren Erstkommunionkindern warteten vor dem Gemeinde-Schulhaus. Die Musikkapelle spielte auf, die Glocken läuteten, die Festgäste reihten sich zu einem Zug und schritten zur Dorfmitte, über das Friedhofwegerl in die Kirche.

Die Zeremonie, das Gehen, Stehen, Knien, war mit der Frau Lehrer Tage zuvor eingeübt worden.

Auch ich trat inmitten einer in Anzug gekleideten Schar Buben und den kleinen Bräuten staunend vor den Altar. Orgelmusik und die Lieder vom Chor erfüllten das ganze Gotteshaus mit freudigen Stimmen.

In der rechten Hand die Taufkerze mit ihren warmen Licht, das Gelöbnis auf den Lippen: Ich widersage ­-  ich glaube – ich glaube!  Ein Geheimnis lag in der Luft, das Himmelsbrot im goldenen Kelch. Der große Augenblick war nahe, als ich mit meiner ganzen Klasse in einer Reihe vor dem Speisgitter kniete und alle Kirchgänger sprachen: „Herr ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, und meine Seele wird gesund.“ War es mit dem Herzen glauben, was kindlicher Verstand  nicht begreifen konnte, als unser Herr Pfarrer die Hostie mit den Worten „der Leib Christi“ nach meinem „Amen“ in meinen leicht geöffneten Mund auf die Zunge legte. Sie schien fast zu zergehen, bevor ich sie andächtig schluckte und das „Großer Gott wir loben Dich“ das Kirchenschiff erfüllte.

Irgendwie verwandelt von der ersten Kommunion traten wir in einer Zweierreihe aus der Kirche, marschierten wir mit unseren Müttern hinter der Musikkapelle zum Almerwirt.  Alle setzten wir uns an festlich gedeckte Tische, verspeisten genüsslich ein Stück Torte mit Kaffee oder Kakao.

Etwas später, mit zufriedenen Mägen stiegen wir in den Bus vom Eder Hans, dieser brachte uns zum Fotografen Jelinek nach Saalfelden. Ein Foto, die bleibende Erinnerung für meine Familie.  

Mädchen in Erstkommunionkleid und -frisur

Glaubensspuren

Die Erstkommunion samt ihrem festlichen Rahmen, aus Liebe gemacht, hat meinen Glauben wachsen lassen. Ich durfte erfahren, Gott verwandelt zum Guten durch seinen Tod, durch seine Auferstehung! Der christliche Glaube ist Hoffnung auf meinem Lebensweg geworden.
Informationen zum Artikel:

Erstkommunion

Verfasst von Barbara Rathgeb

Auf MSG publiziert im September 2012

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Salzburg, Pinzgau, Maria Alm
  • Zeit: 1950er Jahre

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