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Eine seltene Autofahrt - ohne Genuss

von Leider Unbekannt

Das Haus meiner Cousine war in der gleichen Straße, und so gingen wir mit unseren Puppenwägen des Öfteren spazieren. Rund um die Kirche oder den Friedhofweg entlang. Meine Cousine war ein Jahr älter und bereits in der ersten Volksschulklasse. Eines Tages kam sie auf die glorreiche Idee, ihre Tante am anderen Ende des Ortes zu besuchen. Gesagt, getan - dort wurden wir mit Freuden aufgenommen, mit Süßigkeiten verwöhnt und beizeiten wieder nach Hause geschickt.

Als wir zur ersten Bahnübersetzung kamen, fing meine Cousine an, auf einer Tafel zu lesen, auf der angeblich geschrieben stand, dass der Bahnübergang nicht betreten werden darf. Ich vertraute gutgläubig, und wir gingen eine Seitengasse weiter; beim nächsten Bahnübergang in Richtung „Heimat“ wieder eine Seitengasse weiter und so fort. Nach circa zwei Stunden waren wir dann dort, wo meine Cousine eigentlich hinwollte. Wir waren bei ihren Großelten angelangt.

Zu Hause wurden wir schon vermisst, und da zu dieser Zeit von Handy noch keine Rede war und auch Telefone nur vereinzelt vorhanden waren, so musste der Onkel herhalten, denn der war Bäckermeister und besaß bereits ein Auto, um uns zu suchen. Der Großmutter war das Erscheinen von uns zwei kleinen Hasen etwas seltsam (verdächtig) vorgekommen, und so schickte sie ihren Mann, den Oberlehrer in Ruhe, in das nächst gelegene Gasthaus, circa eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, um beim Pfarrhof anzurufen (das war der nächste Ort, wo Telefon vorhanden war) und mitzuteilen, wo wir zwei Ausreißerinnen uns befanden. Bis zur endgültigen Abholung wurden wir verköstigt, und als wir im Auto saßen, übermannte uns die Müdigkeit, und wir konnten die seltene Autofahrt nicht mehr genießen.

Informationen zum Artikel:

Eine seltene Autofahrt - ohne Genuss

Verfasst von Leider Unbekannt

Auf MSG publiziert im Feber 2010

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Österreich
  • Zeit: 1950

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