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Der Garten als Überlebenssicherung
von Uli Makomaski
Die Sommermonate haben wir in unserem Schrebergarten in Hütteldorf verbracht. Mein Vater hatte einen Kaninchenverschlag gebaut: Persönliche Beziehungen zu den Kaninchen durften wir keine entwickeln, sie hatten auch keine Namen, denn für etwaige Emotionen war kein Platz; unser Überleben war wichtiger.
Trotzdem brachte es keiner von unserer Familie zuwege, sie zu töten. Daher nahm Vater den armen Todeskandidaten bei den Ohren und ging zu einem Nachbarn, der das für uns erledigte. Für Nachschub sorgte unsere Großmutter, die in der Krieau in einer Schrebergartenhütte lebte und Kaninchen züchtete.
Einmal, bei einem herannahenden Gewitter, war ich über die steilen Stufen in die Mansarde geklettert, um die Fenster zu schließen. Anschließend wollte ich wieder hinunter, rutschte aus und kugelte rückwärts über die steilen Stiegen hinunter. Meine Eltern waren total aufgelöst, und mein Vater trug mich bei Wind und Wetter, eingehüllt in eine Decke, liebevoll mit mir redend, zum Arzt. Dieser Arzt, ich habe ihn als alten, lieben Mann in Erinnerung, hat mich getröstet und mir die beiden Löcher auf der Stirne zugenäht.
Auf der Linzer Straße fuhren kaum Autos, höchstens Pferdefuhrwerke. Die Pferdeknödel wurden mit der Mistschaufel und einem Beserl zwischen den Pflastersteinen hervor- und zusammengekehrt, um als Dünger im Garten verwendet zu werden.
In diesem Garten gab es eine Reihe herrlicher Obstbäume. Immer wieder wurden Marmeladen und Kompotte eingekocht. Besonders gut erinnere ich mich an die Ribiselstauden, zwei Reihen entlang des Zauns. Wie viele es waren, weiß ich nicht mehr, aber es waren mehr als genug.
Bei der ärgsten Hitze, auf der lehmigen Erde sitzend, wurde geerntet, überall hat es von der Hitze und der Erde gejuckt; auch das Abkühlen im Wasser, das in einer großen Tonne gesammelt wurde, brachte kaum Linderung. Aber dann die Marmelade, die habe ich heiß geliebt.
Außerdem gab es ein Apfelbäumchen mit riesigen, dunkelroten Ontario-Äpfeln. Ein Apfel war fast so groß wie mein Gesicht, und er schmeckte so was von herrlich! Es gab noch einen Klarapfelbaum, einen Cox-Orange-Renetten, Alexanderbirnen, Gute Luise und Kaiser Williams-Birnen. Es gab Ringlotten (Reineclauden, wie Vater zu sagen pflegte), Kriecherln, die besonders gut waren, da dieser Baum neben dem "Scheißhäusel" stand, einen Pflaumen-(Pfludern-)baum, und mehrere Zwetschkenbäume.
Dazwischen waren ein paar Gemüsebeete und ein Erdbeerbeet. Dieser Garten hat in den beiden ersten Nachkriegsjahren sicherlich unser Überleben gesichert. Noch heute denke ich voller Liebe an ihn, er ist für mich noch immer wie ein verlorenes Paradies.
Der Garten als Überlebenssicherung
Verfasst von Uli Makomaski
Auf MSG publiziert im April 2009
In: Fleckerlteppich der Erinnerungen
- Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
-
- Ort: Wien
- Zeit: 1945
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