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Daube, Beitrag 1 von 1

Bäuerlicher Hausrat

von Barbara Moser

Die nachfolgend angeführten Gebrauchsgegenstände wurden vor allem im Haus gebraucht. Ich selbst, geboren 1946, habe noch mit all diesem Hausrat gearbeitet bzw. ihn benützt.

Das Schaffl oder Schaff war früher beim Bauern das meistgebrauchte Geschirr. Es gab Schaffeln in vielen Größen und Ausführungen. Mit diesem Holzgeschirr musste immer mit Bedacht umgegangen werden.

Wenn ein Schaff im Gebrauch war, war es wichtig, dass es nach dem Abwaschen und Ausreiben mit der Unterseite nach oben aufgestellt wurde, damit es gut austrocknete. Wurde ein Holzschaff länger nicht gebraucht, war es „zlexnt“ – es war ausgetrocknet, und die Taufeln [Dauben] waren geschrumpft. Man musste es vorsichtig anfassen, sonst fiel es auseinander. Flüssigkeit floss aus allen Fugen heraus. Das Holzschaff musste dann in Wasser eingeweicht werden, damit es wieder anzog. Waren die Daufeln genug mit Wasser vollgesogen, war das Schaff wieder dicht und nun zu allem zu gebrauchen. Gab es trotzdem noch undichte Stellen, wurden diese mit Stofffleckchen „geschoppert“ [schoppen], das heißt verstopft. Auch Brotmolde wurde zum Schoppen genommen.

Auch den „Sechter“ gab es in verschiedenen Größen. Er wurde zum Melken – Melksechter – zum Waschen – Waschsechter – und zu anderem verwendet.

Kübel war ein Schaff mit Deckel, welchen man „Iberat“ nannte. Dieser Kübel wurde als „Daumpfkibel“, „Schmalzkibl“, „Rahmkibl“ usw. verwendet und fasste zirka zehn bis zwölf Liter.

Der Stotz oder Abwaschstotz war ein niederes, weites Schaff zum Geschirrabwaschen.

Die „Frentn“ war ein ovales Holzschaff, zirka einen Meter lang und siebzig bis achtzig Zentimeter hoch. In der Frentn hat man die Wäsche eingeweicht und gewaschen, die Kinder gebadet und das Fleisch „eingesalzen“, das heißt eingepökelt.

„Moltern“ [Multer] hieß ein flaches, längliches Gefäß für die Teigzubereitung; auch Knödelteig hat man im kleinen „Mölterl“ zubereitet. Dieses wurde mit dem Löffel so sauber ausgeschabt, dass kein Rest vom Teig drinnen blieb. Wenn ein Bauer zu einer Sennerin Brautwerben ging, schaute er sich die „Moltern“ an, ob sie wohl sauber genug ausgeschabt – nicht ausgewaschen – war. Waren viele Teigreste drin, bedeutete dies, dass die Sennerin nicht genug sparsam war, dann heiratete er sie nicht.

Der „Koast“ [Kasten] ist eine große Truhe oder ein großes abgetrenntes Fach, wo Getreide gelagert wurde („Håbantruhan“, „Woazkoast“) bzw. auch heute noch wird. Wurde der „Koast“ sehr voll, wusste der Bauer, dass das „Troad guat ausgebm håt“, dass eine gute Ernte war.

Der „Kittelkoast“ [Kittelkasten] ist eine halbe Seite im Kleiderschrank, wo die Frauenkleider aufgehängt wurden. Meistens wurde das Gewand, auch Anzüge, Hosen, Joppen, in eine Truhe gelegt. Wurde der Dienstplatz gewechselt, war’s zum „Fetzen“ [fetzen, fedeln], dann haben die Dienstboten ihre Habseligkeiten in ein kleines „Trichl“ [Trüherl] gepackt. Dieses Trichl aus Holz und was sich darin befand, war ihr weniges Eigentum.

Informationen zum Artikel:

Bäuerlicher Hausrat

Verfasst von Barbara Moser

Auf MSG publiziert im März 2009

In: Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Steiermark, Obersteiermark-West, Murau, Krakauebene
  • Zeit: 1950er Jahre, 1960er Jahre

Anmerkungen

Dieser Beitrag wurde nach einem Schreibaufruf der "Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen" zum Thema "Alltagsgeschichte und Sprachwandel im 20. Jahrhundert" verfasst.

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